NASAs Perpetual Ocean 2 rekonstruiert die globalen Meeresströmungen aus ECCO-2-Modelldaten für 2021 bis 2023. Weiße Spuren zeigen Bewegungen oberhalb von 600 Metern, blaue tiefere Schichten; zu sehen ist eine durch Satelliten, Bojen und Vor-Ort-Messungen eingeschränkte Modellvisualisierung, kein Live-Satellitenbild.

Das Wichtigste

  • Das NASA Scientific Visualization Studio veröffentlichte Perpetual Ocean 2 im Februar 2025; die Darstellung beruht auf ECCO-2-Ausgaben für 2021 bis 2023.
  • Anders als die Oberflächenansicht von 2011 bewegt die neue Fassung virtuelle Partikel mit einem dreidimensionalen Geschwindigkeitsfeld.
  • Weiß kennzeichnet in der künstlerischen Fassung Wasser oberhalb von 600 Metern, Blau tiefere Schichten; die Farben stehen zunächst für Tiefe, nicht direkt für Geschwindigkeit.
  • Die Kamerafahrt folgt Kuroshio, Agulhasstrom und Golfstrom und zeigt Mäander, Wirbel und tiefe Rückströmungen dieser westlichen Randströme.
  • Die Bilder sind eine wissenschaftlich eingeschränkte Zustandsschätzung des Ozeans, weder Live-Fotos noch Aufzeichnungen einzeln verfolgter Wassertropfen.
  • Strömungen transportieren Wärme, Salz, Nährstoffe und Kohlenstoff zwischen Ozeanbecken; das globale Förderband ist nur ein vereinfachtes Bild der Umwälzzirkulation.

Helle Wasserbahnen schwenken vor Japan nach Osten, umrunden das südliche Afrika und ziehen sich als breites Band an Nordamerikas Ostküste entlang. Darunter kreuzen blaue Spuren in anderen Richtungen. NASAs Perpetual Ocean 2 übersetzt unsichtbare Wassergeschwindigkeiten in dichte Partikelpfade – ein dreidimensionales, ständig bewegtes Straßennetz der Weltmeere.

NASA Goddard erklärt mit der ECCO-Visualisierung Kuroshio, Agulhasstrom und Golfstrom sowie den Zusammenhang von Zirkulation, Wärme, Nährstoffen, Kohlenstoff und Klima.

Kein Live-Satellitenfoto

Grundlage ist ECCO, das Projekt Estimating the Circulation and Climate of the Ocean. Es verbindet ein Ozeanzirkulationsmodell mit Satelliten-, Bojen- und weiteren Vor-Ort-Messungen, um den Meereszustand unter physikalischen und statistischen Bedingungen zu schätzen. Perpetual Ocean 2 nutzt ECCO-2-Ausgaben von 2021 bis 2023 und lässt virtuelle Partikel dem dreidimensionalen Geschwindigkeitsfeld folgen.

Kurze weiße Spuren im oberen Ozean und längere blaue Spuren im Tiefenwasser
NASAs künstlerische Konvention setzt die Grenze bei 600 Metern: Weiß steht für flacheres, Blau für tieferes Wasser.

Das ist der entscheidende Unterschied zu Perpetual Ocean von 2011, das nur Oberflächenströmungen zeigte. Partikel oberhalb von 600 Metern hinterlassen Drei-Tage-Spuren, tiefere Partikel Sechs-Tage-Spuren, damit Strukturen in der Tiefe erkennbar bleiben. Dargestellt ist eine Modellrekonstruktion über einen Zeitraum, keine Momentaufnahme eines einzelnen Tages aus dem All.

Weiß an der Oberfläche, Blau in der Tiefe

In der wichtigsten künstlerischen Fassung erscheinen Strömungslinien oberhalb von 600 Metern weiß, ab 600 Metern in einer Blau-Türkis-Weiß-Skala. Damit werden zunächst flache und tiefe Bewegung getrennt. Krümmung und Richtung der Spuren zeigen Strömungsmuster; für Temperatur, Salzgehalt oder Geschwindigkeit braucht man jedoch NASAs entsprechende Versionen und Farbskalen.

NASA-Strömungsbild vom Golf von Mexiko, der Karibik und Nordamerikas Ostküste mit heller Bahn durch die Floridastraße und zahlreichen Wirbeln
Weiße Spuren zeigen den Loop Current von der Karibik in den Golf von Mexiko und durch die Floridastraße; dichte Spiralen markieren große Wirbel am warmen Strom.

Besonders helle, gebündelte Ströme liegen häufig am Westrand eines Ozeanbeckens, also an der Ostküste eines Kontinents. Erdrotation, Winde, Meeresspiegelgefälle und Beckenform verdichten das Wasser zu kräftigen westlichen Randströmen. Sie sind keine glatten Meeresflüsse: Sie mäandrieren, kehren um und schnüren Wirbel mit warmem oder kaltem Wasser ab.

Drei schnelle Wasserwege in drei Ozeanen

Zuerst folgt die Kamera dem Kuroshio im Pazifik. Er fließt aus der tropischen Philippinensee an Taiwan vorbei nach Norden und biegt bei Japan mit großen Mäandern und Wirbeln nach Osten ab. NASA nennt etwa 20 bis 25 °C und einen mittleren Salzgehalt von rund 34,5; der warme Strom bringt große Mengen Wasser und Wärme in höhere Breiten.

Im Indischen Ozean strömt der Agulhasstrom an der Ostküste des südlichen Afrika nach Süden und wendet sich hinter der Kontinentenspitze nach Osten. Dabei können warme, salzreiche Agulhasringe abbrechen. Laut NASA bleiben sie teils länger als zwei Jahre erhalten und driften westwärts in den Südatlantik, wo sie Wärme und Salz aus einem anderen Becken eintragen.

Der Golfstrom entsteht in der Floridastraße, zieht an der Ostküste Nordamerikas nach Norden und reicht in den Nordatlantik. An der Oberfläche kann er 2,5 Meter pro Sekunde erreichen. Unter etwa 500 Metern zeigen blaue Spuren kälteres Wasser auf dem Weg nach Süden – eine räumliche Gegenströmung, die eine reine Oberflächenkarte nicht zeigen würde.

Strömungen verbinden Klima und Leben

Ozeanbecken sind keine abgeschlossenen Wassertanks. Strömungen verteilen Wärme, Salz, Nährstoffe und Kohlenstoff um den Globus. Auftrieb bringt kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser in die lichtreiche Oberfläche und trägt Nahrungsnetze; Randströme und Wirbel verändern, wohin Wärme und Stoffe gelangen. Das prägt Wetter, Fischerei, Ökosysteme und langfristiges Klima.

Das bekannte globale Förderband meint genauer die beckenübergreifende Umwälzzirkulation: Warmes Oberflächenwasser trägt Wärme polwärts, ein Teil wird durch Abkühlung oder Salzgehaltsänderungen dichter, sinkt ab und kehrt in der Tiefe zurück. Agulhasringe und die südwärts gerichtete Tiefenströmung unter dem Golfstrom sind Teile dieses Systems – nicht ein einziges geschlossenes Band mit überall gleichem Tempo.

Eine schöne Darstellung – und eine Schätzung

NASAs Visualisierung macht ein komplexes Geschwindigkeitsfeld verständlich, doch die Linien sind keine fotografierten Wasserfäden und die Partikel keine markierten echten Tropfen. Beobachtungen begrenzen das Modell, das dennoch von Gitterauflösung, Datenabdeckung und physikalischen Näherungen abhängt. Als überprüfbare wissenschaftliche Schätzung gelesen, bleibt die Darstellung schön und sachlich korrekt.

Die Stärke von Perpetual Ocean 2 liegt darin, Tiefe in den globalen Maßstab zurückzubringen: Mäander des Kuroshio, abgelöste Agulhasringe und der Rückweg unter dem Golfstrom werden mehr als Pfeile auf einer Karte. Das bewegte Netz zeigt eine langsame, gewaltige Tatsache: Der Ozean tauscht ständig Wasser, Wärme und Stoffe aus und verbindet dadurch weit entfernte Becken.